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Strom, Gas, Wasser

Strom, Gas und Wasser in Spanien: Die eine Frage, die über 50 oder 500 Euro entscheidet

Läuft der Stromvertrag noch — oder ist der Anschluss tot? Diese Frage entscheidet, ob du 50 Euro zahlst und in drei Tagen Licht hast, oder mehrere hundert Euro und vier Wochen wartest. Dazu: die CUPS-Nummer, ohne die gar nichts geht, das Boletín, das keine Formalität ist, und die Potencia-Falle in beide Richtungen.

9 Min. Lesezeit · 🇪🇸 Spanien

Strom, Gas und Wasser in Spanien: Die eine Frage, die über 50 oder 500 Euro entscheidet

Es gibt eine Frage, die du stellen solltest, bevor du einen Mietvertrag oder eine Kaufurkunde unterschreibst. Sie klingt banal, und sie ist es nicht:

Ist der Strom noch angemeldet — oder ist der Anschluss tot?

Die Antwort entscheidet, ob du 50 Euro ausgibst oder mehrere hundert. Und ob du in drei Tagen Licht hast oder in vier Wochen.

Es ist der Unterschied zwischen einem Namenswechsel und einem Neuanschluss. Und fast niemand fragt danach, bevor es zu spät ist.

Erst einmal: Wie Spanien tickt

In Spanien gibt es eine strikte Trennung, die es so in Deutschland nicht gibt:

Die Distribuidora (der Verteiler) besitzt die Leitungen und den Zähler. Sie kannst du dir nicht aussuchen — sie hängt an deinem Wohnort. In Andalusien und auf Mallorca ist das zum Beispiel Endesa.

Die Comercializadora (der Versorger) stellt dir die Rechnung. Und die kannst du frei wählen.

Der praktische Trick: Du schließt den Vertrag mit dem Versorger ab. Der regelt alles Weitere im Hintergrund mit dem Verteiler. Versuch nicht, beides einzeln zu managen — du machst es dir nur unnötig schwer.

Die drei Dinge, ohne die gar nichts geht

NIE-Nummer. Alle spanischen Versorger verlangen sie. Ohne NIE bekommst du bestenfalls einen Vertrag, der auf eine bereits in Spanien registrierte Person läuft.

Spanische IBAN. Für den SEPA-Lastschrifteinzug. Manche Anbieter akzeptieren auch ausländische IBANs, aber verlass dich nicht darauf.

Die CUPS-Nummer. Und die ist die wichtigste.

CUPS ist die eindeutige Kennnummer deines Stromzählers: 20 Stellen, beginnt mit „ES". Ohne CUPS kann kein Vertrag geschlossen werden. Punkt.

Wo findest du sie? Auf der letzten Rechnung des Vormieters oder Voreigentümers. Im Kaufvertrag. Oder du fragst beim Versorger nach.

Merk dir das für die Wohnungsbesichtigung: Frag nach der letzten Stromrechnung. Sie enthält die CUPS, sie zeigt dir den tatsächlichen Verbrauch, und sie verrät, ob Schulden auf dem Anschluss liegen. Drei Antworten, ein Blatt Papier.

Szenario A: Cambio de Titular — der gute Fall

Der Strom läuft noch, der Vertrag steht auf dem Vormieter oder Voreigentümer.

Dann brauchst du nur einen Namenswechsel — den Cambio de Titular. Und das ist erfreulich unspektakulär:

Du meldest dich beim Versorger (online oder telefonisch), gibst CUPS, NIE, Adresse und IBAN an, unterschreibst das Lastschriftmandat — fertig.

Der Strom bleibt während des Wechsels an. Kein dunkles Wochenende. Die Bestätigung kommt meist in wenigen Werktagen. Kosten je nach Versorger etwa 30 bis 100 Euro.

Wenn irgend möglich, sorge dafür, dass dein Fall dieser ist. Bitte den Verkäufer oder Vormieter ausdrücklich, den Vertrag nicht zu kündigen, sondern ihn auf dich übertragen zu lassen.

Szenario B: Neuanschluss — der teure Fall

Der Anschluss ist komplett abgemeldet. Die Wohnung stand lange leer, oder der Vorbesitzer hat gekündigt.

Jetzt wird es aufwendig.

Du beantragst eine Alta de Suministro — einen Neuanschluss. Es fallen gesetzliche Gebühren an: Zugangsrechte (etwa 19,70 Euro pro kW) plus Anschlussrechte. Bei einer Standardwohnung landest du schnell bei 150 bis 200 Euro Anfangskosten.

Läuft alles glatt, dauert es fünf bis sieben Werktage. Läuft es nicht glatt — und das ist bei alten Immobilien der Normalfall — sind es zwei bis vier Wochen.

Der Grund heißt Boletín.

Das Boletín Eléctrico — keine Formalität

Wenn der Zähler deaktiviert war, das Haus älter als etwa 20 Jahre ist, der Strom lange abgemeldet war, oder du die Leistung erhöhen willst — dann verlangt der Netzbetreiber ein Boletín Eléctrico. Ein Sicherheitszeugnis, ausgestellt von einem autorisierten Elektriker vor Ort.

Kosten: etwa 80 bis 200 Euro.

Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist:

Veraltete Installationen werden bei der Prüfung regelmäßig beanstandet.

Der Elektriker kommt, schaut sich die Verkabelung deiner charmanten alten Finca an — und stellt kein Zeugnis aus, bevor nachgebessert wurde. Und dann redest du nicht mehr über 150 Euro, sondern über eine Elektrosanierung.

Deshalb: Bei alten Häusern, Fincas und lange leerstehenden Wohnungen plane von vornherein zwei bis vier Wochen Vorlauf und ein Budget ein. Und frag vor dem Kauf, wann die Elektrik zuletzt erneuert wurde. Das ist keine Nebenfrage.

Die Potencia Contratada — die Falle in beide Richtungen

Jetzt ein Begriff, den es in Deutschland so nicht gibt und der deine Rechnung stärker beeinflusst als dein Verbrauch.

Die Potencia Contratada ist die maximale elektrische Leistung, die du gleichzeitig ziehen darfst. Du buchst sie im Vertrag, in Kilowatt.

Und sie kann in beide Richtungen schiefgehen:

Zu hoch gewählt → Deine Fixkosten steigen. Du zahlst jeden Monat für Leistung, die du nie abrufst.

Zu niedrig gewählt → Der Sicherungsautomat fliegt ständig raus. Besonders wenn Klimaanlage und Herd gleichzeitig laufen. Willkommen im Dunkeln, mitten beim Kochen.

Und die nachträgliche Erhöhung kostet Geld und dauert Wochen — oft samt neuem Boletín.

Als Orientierung: 4,6 kW reichen für eine Wohnung mit Klimaanlage problemlos. Sie reichen sogar für ein Haus mit Pool und mehreren Klimaanlagen — solange du nicht alles gleichzeitig einschaltest. 6,9 kW brauchst du erst bei sehr hohem Verbrauch oder wenn du auf Nummer sicher gehen willst.

Nimm dir für diese Entscheidung zehn Minuten. Sie begleitet dich jahrelang.

Freier Markt oder regulierter Markt?

Zwei Welten:

Der regulierte Markt (PVPC) koppelt deinen Preis an den Großhandelsmarkt. Er schwankt — manchmal stündlich. In günstigen Phasen zahlst du weniger als jeder Festpreis. In teuren Phasen mehr. Wer flexibel ist und Wäsche nachts wäscht, kann hier sparen.

Der freie Markt bietet Festpreise, Zeitfenstertarife und Sonderkonditionen. Weniger Aufregung, dafür Planungssicherheit.

Die bekannten Anbieter: Endesa, Iberdrola, Naturgy, Repsol, TotalEnergies. Günstigere Alternativen: Holaluz, Octopus Energy, Factor Energía.

Der Vergleich lohnt sich. Die Preisunterschiede können 15 bis 25 Prozent betragen. Nutze den offiziellen Comparador des BOE oder den Vergleich der Verbraucherorganisation OCU — nicht die Werbeseite des Anbieters.

Und Vorsicht bei Tarifen, die auffällig günstig aussehen: Manche enthalten Wartungsverträge oder Zusatzleistungen, die du nicht brauchst und die den Preis auffressen.

Was Strom wirklich kostet

Grobe Orientierung — und „grob" ist ernst gemeint, weil die Spanne enorm ist:

Single oder Paar, kleinere Wohnung: etwa 50 bis 100 Euro im Monat.
Über das Jahr gemittelt: eher 80 bis 110 Euro.
Haus mit Klimaanlage, Elektroboiler und Pool: 120 bis 250 Euro und mehr.

Die Ausschläge sind saisonal: Im Winter (Heizen) und im Hochsommer (Kühlen, Poolpumpe) deutlich mehr, im Frühling und Herbst deutlich weniger.

Und noch einmal, weil es der häufigste Denkfehler ist: Deine Rechnung hängt nicht nur am Verbrauch. Potencia, Tariftyp und feste Netzgebühren machen einen erheblichen Teil aus. Zwei Haushalte mit identischem Verbrauch können sehr unterschiedliche Rechnungen bekommen.

Gas: die Flasche, nicht die Leitung

Hier musst du deutsche Vorstellungen loslassen.

Ein flächendeckendes Erdgasnetz gibt es in Spanien nicht. Auf Mallorca überhaupt nicht. An der Costa Blanca sind die meisten Häuser und Wohnungen rein elektrisch ausgestattet.

Was es stattdessen gibt:

Die Bombona de Butano — die blaue 12,5-Kilo-Gasflasche. Fast jeder Haushalt mit Gasherd nutzt sie. Kein Vertrag. Keine Grundgebühr. Kein Ableser. Du kaufst sie, wenn sie leer ist, und tauschst sie beim Händler, an der Tankstelle oder beim Lieferdienst.

Kosten: je nach Kochgewohnheit etwa 20 bis 40 Euro im Monat.

Die Erstregistrierung samt Sicherheitsprüfung kann etwas bürokratisch sein — danach ist es die unkomplizierteste Sache deines Haushalts.

In ländlichen Gebieten findet man außerdem Flüssiggas-Tanks (Depósitos de Gas) für Heizung und Warmwasser.

Nur wenn deine Immobilie tatsächlich am Erdgasnetz hängt — meist in größeren Städten — brauchst du einen Vertrag, etwa bei Naturgy oder Nedgia.

Wasser: keine Wahl, kein Markt

Beim Wasser ist es einfach, weil du nichts entscheiden kannst.

Es gibt keinen freien Markt. Zuständig ist die Gemeindeverwaltung oder ein lokales Unternehmen — an der Costa Blanca etwa Hidraqua, in der Region Valencia Aguas de Valencia.

Auch hier gilt dieselbe Logik wie beim Strom: Besteht ein Anschluss, wird der Vertrag umgeschrieben. Besteht keiner, muss ein neuer beantragt werden — und das dauert und kostet.

Praktische Reihenfolge

Vor dem Miet- oder Kaufvertrag: Nach der letzten Stromrechnung fragen. Sie liefert CUPS, Verbrauch und Hinweise auf Schulden. Fragen, ob der Anschluss aktiv ist. Fragen, wann die Elektrik zuletzt erneuert wurde.

Nach der Schlüsselübergabe: NIE und spanische IBAN bereithalten. Cambio de Titular beantragen (oder Neuanschluss, falls nötig). Potencia bewusst wählen. Wasservertrag bei der Gemeinde umschreiben. Gasflasche kaufen, falls Gasherd.

Was du wissen solltest, bevor du anrufst

Endesa, Iberdrola und Naturgy haben deutschsprachige Hotlines. Das hilft — aber:

Die Vertragsunterlagen sind ausschließlich auf Spanisch. Für den eigentlichen Abschluss brauchst du entweder Spanischkenntnisse oder jemanden, der übersetzt. Auch die Online-Kundenbereiche gibt es nur auf Spanisch (und regional auf Katalanisch).

Wenn dir das zu viel ist: Eine Gestoría erledigt Strom, Wasser und Empadronamiento in einem Rutsch. Kostet, spart Nerven.

Und wenn du wieder gehst?

Kündigung mit mindestens 15 Tagen Vorlauf, per Online-Formular oder E-Mail. Die Schlussrechnung kommt etwa vier bis sechs Wochen nach der Zählerablesung und wird vom spanischen Konto abgebucht.

Halte das Konto also offen, bis alles abgerechnet ist. Wer es zu früh schließt, bekommt Post.

Der ehrliche Schluss

Strom, Gas und Wasser sind kein spannendes Thema. Aber sie sind das erste, was du wirklich brauchst — vor dem Möbelwagen, vor dem Internetanschluss, vor allem anderen.

Und sie sind der Punkt, an dem sich zeigt, ob du gut vorbereitet warst.

Wer vor der Unterschrift nach der letzten Stromrechnung fragt, hat in dreißig Sekunden mehr erfahren als in drei Wochen Recherche. Wer es nicht tut, sitzt möglicherweise vier Wochen ohne Licht in seinem Traumhaus — und lernt dabei ein spanisches Wort, das er nie wieder vergisst.

Boletín.

Hinweis: Preise, Gebühren und Anbieterkonditionen ändern sich laufend und unterscheiden sich stark zwischen Regionen. Die genannten Beträge sind Orientierungswerte, keine Zusagen. Prüfe die aktuellen Konditionen direkt beim Versorger.

Stand: 13.7.2026