Vorbereitung in Deutschland
Vorbereitung in Deutschland: Was du regelst, bevor du gehst
Der Berg an Aufgaben, bevor der Möbelwagen rollt – geordnet und ehrlich. Von der Abmeldung (deinem Generaldokument) über Finanzamt, Rente und die S1-Falle bis zu Verträgen, Banking, Apostille und dem Umzug selbst. Mit der ehrlichen Korrektur zur Krankenversicherung, die fast alle Ratgeber falsch machen.
Beginne rund sechs Monate vorher. Dein wichtigstes Dokument ist die Abmeldebescheinigung vom Einwohnermeldeamt – sie beendet deine unbeschränkte Steuerpflicht und schaltet das Sonderkündigungsrecht für deine Verträge frei. Beantrage vorher dein S1-Formular und deinen portugiesischen NIF, kündige als Rentner NICHT deine gesetzliche Krankenkasse, sammle und apostilliere deine Dokumente, und behalte dein deutsches Bankkonto. Innerhalb der EU ist das eine Checkliste, keine Mauer.
Zwischen dem Entschluss und dem ersten Morgen unter portugiesischer Sonne liegt ein Berg. Nicht aus Sonne, sondern aus Behördengängen, Kündigungen, Fristen und Formularen. Genau dieser Berg schreckt viele mehr ab als alles andere – nicht, weil er unüberwindbar wäre, sondern weil ihn niemand geordnet aufschreibt. Das holen wir jetzt nach. Ein Kapitel für die Seite, die du oft übersiehst: die deutsche.
Der richtige Zeitplan
Die häufigste und teuerste Fehleinschätzung ist, zu spät zu beginnen. Fünf bis sechs Monate Vorlauf sind das Minimum, nicht der Luxus. Und ein Rat, der dir eine falsche Entscheidung ersparen kann: Wohne vorher zur Probe. Nicht zwei Wochen als Tourist, sondern als jemand, der bleiben könnte – einkaufen, zum Arzt, Behördenluft schnuppern. Erst dann legst du dich fest. Die grobe Reihenfolge danach: früh der Steuerberater und die Dokumente, dann S1, NIF und portugiesisches Konto, dann die Wohnung – und ganz zum Schluss Abmeldung und Umzug.
Die Abmeldung: dein Generaldokument
Wer seinen Wohnsitz in Deutschland vollständig aufgibt, muss sich beim Einwohnermeldeamt abmelden (Bundesmeldegesetz). Das Zeitfenster ist eng: frühestens eine Woche vor dem Auszug, spätestens zwei Wochen danach. Wer trödelt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1.000 €. Ein wichtiger EU-Punkt: Abmelden musst du nur, wenn du deinen deutschen Wohnsitz ganz aufgibst – behältst du eine Wohnung in Deutschland, bleibt die Meldung, aber das hat steuerliche Folgen (dazu dein Steuerberater).
Die Abmeldebescheinigung, die du dabei bekommst, ist das wichtigste Papier deiner ganzen Auswanderung. Sie beweist dem Finanzamt den Zeitpunkt deines Wegzugs, sie ist die Grundlage für dein Sonderkündigungsrecht, und du brauchst sie später sogar für einen neuen Pass beim deutschen Konsulat. Bewahre das Original sicher auf und digitalisiere es mehrfach.
Finanzamt und Steuer
Informiere dein Finanzamt schriftlich über den Wegzug. Du bekommst dann einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung – zu neuer Adresse, ausländischer Steuernummer, deutschen Einkünften, Beteiligungen und dem einschlägigen Doppelbesteuerungsabkommen. Fülle ihn sorgfältig aus; falsche Angaben können als Steuerhinterziehung gelten. Für das Wegzugsjahr ist in der Regel eine letzte Steuererklärung in Deutschland fällig.
Ein Warnschild für Unternehmer und Anleger: die Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG). Wer wesentliche Anteile an Kapitalgesellschaften hält (ab 1 %), muss beim Wegzug stille Reserven versteuern – auch ohne Verkauf. Seit dem 1. Januar 2026 gilt das auch für Fonds- und ETF-Anteile im Privatvermögen. Das ist komplex und teuer, wenn man es übersieht – hier ist ein auf Auslandsfälle spezialisierter Steuerberater keine Kür, sondern Pflicht. Wie deine Renten und Einkünfte danach in Portugal besteuert werden, steht im Kapitel „Steuern und Finanzen".
Rente und Krankenkasse – die ehrliche Korrektur
Melde deinen Wegzug der Deutschen Rentenversicherung. Die gute Nachricht: Bereits erworbene Rentenpunkte gehen nicht verloren, und die Rente wird auch ins EU-Ausland gezahlt. Ein jährlicher Lebensnachweis (Lebensbescheinigung) hält die Zahlung am Laufen. Eine freiwillige Weiterversicherung aus dem Ausland ist möglich.
Und jetzt der Punkt, den fast alle Auswanderer-Ratgeber falsch oder zu grob machen: Sie schreiben pauschal „die gesetzliche Krankenversicherung endet mit der Abmeldung". Für viele stimmt das – für dich als Rentner, der innerhalb der EU umzieht, nicht. Über das S1-Formular bleibst du in der deutschen Krankenversicherung der Rentner (KVdR), und Portugal behandelt dich, während Deutschland zahlt. Deshalb der wichtigste Satz dieses Kapitels: Beantrage das S1 vor dem Umzug bei deiner Kasse – und kündige die gesetzliche Krankenversicherung nicht. Wer sie kündigt, kommt meist nicht zurück. Die ganze Logik dahinter steht im Kapitel „Gesundheit und Krankenversicherung".
Verträge kündigen: das Sonderkündigungsrecht
Sobald die Abmeldebescheinigung vorliegt, hast du bei vielen Verträgen ein Sonderkündigungsrecht – aber du musst es aktiv geltend machen, mit der Bescheinigung als Anlage. Das gilt typischerweise für Internet und Mobilfunk (wenn der Dienst am neuen Ort nicht nutzbar ist), Strom und Gas, den Rundfunkbeitrag (GEZ) und manche Versicherungen. Der Mietvertrag hat kein Sonderkündigungsrecht – hier gilt die reguläre Frist (aber ein Nachmieter hilft oft). Ein Praxis-Tipp, weil geschätzt sieben von zehn Auswanderern mindestens einen Vertrag vergessen: Geh deine Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durch und hake jede Abbuchung ab. Welche deutschen Policen du behältst, ersetzt oder kündigst, steht im Kapitel „Versicherungen".
Banking
Schließe dein deutsches Konto nicht zu früh – Kaution, Steuererstattung und Nebenkostenabrechnungen kommen oft erst Monate später. Faustregel: mindestens sechs Monate behalten. Achtung: Manche Banken schränken Konten ohne deutsche Adresse ein oder kündigen sie, und viele Broker schließen Wertpapierdepots nach der Abmeldung – kläre das vorher. Parallel eröffnest du ein portugiesisches Konto (das brauchst du für Strom, Wasser und Lastschriften vor Ort); dank SEPA sind Überweisungen zwischen beiden Ländern unkompliziert.
Dokumente und Apostille
Sammle deine wichtigen Urkunden – Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Zeugnisse und Diplome, Führerschein, bei Bedarf ein Führungszeugnis. Offizielle Dokumente brauchen für den Auslandsgebrauch oft eine Apostille (beim Landgericht, Bearbeitung 2–4 Wochen), manche zusätzlich eine beglaubigte Übersetzung ins Portugiesische. Digitalisiere alles in der Cloud. Erteile außerdem einer Vertrauensperson in Deutschland eine Vollmacht für Bank, Post und Ämter, und richte einen Nachsendeauftrag bei der Post ein – am besten an diese Vertrauensperson, nicht direkt ins Ausland.
Der Umzug selbst
Der Umzug innerhalb der EU ist entspannt: kein Zoll, freier Warenverkehr. Hol für einen internationalen Umzug mindestens drei Angebote ein. Zwei Dinge greifen in andere Kapitel: Wenn du dein Auto mitnimmst, brauchst du für die ISV-Umzugsbefreiung den Nachweis, dass du es mindestens sechs Monate besitzt – Details im Kapitel „Auto und Verkehr". Und dein Haustier bereitest du nach dem Kapitel „Haustiere und Einreise" vor (Chip, Tollwut, EU-Ausweis, 21 Tage Vorlauf).
Am Ende bleibt
Der Berg ist real – aber er ist begehbar, Schritt für Schritt, wenn du früh anfängst und die Reihenfolge kennst. Am Ende hältst du eine einzige Bescheinigung in der Hand, die mehr bedeutet, als auf ihr steht: dein altes Leben sauber abgeschlossen, das neue offen. Kein loser Faden, keine Mahnung, die dir Monate später nachreist. Nur du, ein paar Kisten und ein Flugticket. Und die Gewissheit, dass du nichts Wichtiges zurückgelassen hast – außer dem Grau des deutschen Novembers.