Heizen
Heizen in Nordzypern: milder Winter, kalte Häuser
Die Winter im Norden sind mild, doch die Häuser sind für den Sommer gebaut — drinnen wird es kälter, als man auf einer Mittelmeerinsel erwartet. Geheizt wird meist mit der Klimaanlage, das eigentliche Problem ist die Feuchtigkeit.
Wer an Nordzypern denkt, denkt an Sonne — und vergisst den Winter. Er ist mild, kurz und oft sonnig, aber er kommt, und die Häuser sind nicht für ihn gebaut. Von Dezember bis Februar regnet es, die Nächte werden kühl, und in einer Wohnung mit Fliesenboden, einfachen Fenstern und ohne Heizung wird es drinnen kälter, als du es von einer Mittelmeerinsel erwartest.
Wie kalt es wird
An der Nordküste um Girne liegen die Tageswerte im Januar meist zwischen 15 und 18 Grad, nachts sinken sie auf acht bis zehn Grad. In Nikosia im Landesinneren sind die Sommer heißer und die Winternächte kühler, gelegentlich mit Frost. In den Dörfern am Hang des Beşparmak-Gebirges wird es noch kälter, und der Wind ist spürbar. Schnee ist die große Ausnahme.
Das klingt wenig. Aber ein Haus, das den ganzen Sommer die Hitze abhalten soll, speichert im Winter die Kälte. Steinböden, dicke Mauern ohne Dämmung und große Fenster zur See lassen die Innentemperatur in manchen Wochen unter 15 Grad fallen.
Das Jahr im Überblick
Von Juni bis September ist es heiß und trocken, im Landesinneren oft über 40 Grad. Oktober und November sind warm und angenehm, die schönste Zeit des Jahres. Von Dezember bis Februar regnet es, die Luft ist feucht, und die Häuser kühlen aus. Ab März wird es schnell wieder warm. Wer im Norden lebt, heizt also drei, vier Monate im Jahr — und kühlt vier Monate.
Womit geheizt wird
Eine Zentralheizung, wie du sie aus Deutschland kennst, ist die Ausnahme. Die meisten Wohnungen heizen mit der Klimaanlage, die im Winter als Wärmepumpe arbeitet. Moderne Geräte schaffen das sparsam; ältere verbrauchen viel Strom und trocknen die Luft aus.
Daneben sind Elektroöfen und Heizlüfter verbreitet. Sie wärmen schnell, sind aber teuer im Betrieb, weil der Strompreis gestuft ist und jede Kilowattstunde über der ersten Stufe mehr kostet. Gasöfen aus der Flasche sind günstiger, brauchen aber Lüftung.
In Villen und Landhäusern findest du oft einen Kamin oder einen Holzofen. Holz kaufst du bei Händlern, am besten im Herbst und trocken.
Im Bergdorf
Wer in den Dörfern am Hang des Gebirges wohnt, etwa oberhalb von Lapta oder Karmi, hat im Sommer kühlere Nächte und im Winter kältere Tage. Dort lohnt ein Kamin oder Holzofen besonders, und die Straßen können nach starkem Regen schlammig werden. Frag die Nachbarn, wie sie über den Winter kommen.
Feuchtigkeit und Schimmel
Das eigentliche Winterproblem ist nicht die Kälte, sondern die Feuchtigkeit. In ungeheizten Räumen schlägt sie sich an kalten Wänden nieder, besonders hinter Schränken und in Bädern ohne Fenster. Ein Luftentfeuchter gehört in viele Wohnungen, und regelmäßiges Lüften auch bei Regen hilft mehr als jede Heizung allein.
Sieh dir bei der Besichtigung die Ecken der Außenwände, die Fensterlaibungen und die Decke im Bad an. Frisch gestrichene Stellen in einer sonst älteren Wohnung verraten oft mehr als der Vermieter.
Warmes Wasser
Auf fast jedem Dach steht ein Solarkollektor mit Tank. Im Sommer liefert er mehr heißes Wasser, als du brauchst, im Winter an bewölkten Tagen zu wenig. Dann springt ein elektrischer Heizstab ein, meist über einen eigenen Schalter. Frag, wo er sitzt und wie lange er braucht — und schalte ihn aus, wenn du ihn nicht brauchst, sonst treibt er die Stromrechnung.
Was der Winter kostet
Wer mit einer modernen Klimaanlage heizt und die Wohnung gut abdichtet, zahlt im Winter deutlich weniger als im Hochsommer. Wer mit Elektroöfen gegen eine ungedämmte Villa ankämpft, erlebt eine böse Überraschung. Lass dir vor dem Mietvertrag die Stromrechnungen des letzten Januars zeigen.
Die Wohnung für den Winter
Eine Wohnung im mittleren Stockwerk ist wärmer als eine im Erdgeschoss mit Fliesen auf dem Boden oder direkt unter dem Dach. Doppelt verglaste Fenster, Teppiche und Vorhänge machen einen großen Unterschied. Eine Wohnung mit Südseite hat im Winter Sonne und im Sommer, mit Schatten, trotzdem erträgliche Temperaturen.
Was sich nachrüsten lässt
Viel lässt sich mit wenig Geld verbessern: dichte Fenster und Türen, Teppiche auf den Fliesen, dicke Vorhänge, eine moderne Klimaanlage mit guter Heizleistung. In einem eigenen Haus lohnt die Dämmung des Dachs. Handwerker sind im Norden günstig, gute Handwerker aber gefragt — frag in der Nachbarschaft nach Empfehlungen und hol mehrere Angebote ein.
Gesundheit im Winter
Kalte, feuchte Räume sind für ältere Menschen mehr als unbequem. Sie belasten Atemwege und Gelenke, und Schimmel kann krank machen. Halte zumindest Schlafzimmer und Wohnraum gleichmäßig warm und trocken, statt nur abends kurz aufzuheizen.
Stromausfälle
Im Winter kommen sie seltener vor als im Sommer, aber sie kommen vor. Wer mit Strom heizt, sitzt dann im Kalten. Eine Gasheizung aus der Flasche oder ein Holzofen als Rückfall ist für ein Haus auf dem Land eine gute Idee.
Wenn du im Winter weg bist
Viele Zugezogene verbringen den Winter nicht im Norden, sondern in Deutschland oder bei Kindern. Dann bleibt die Wohnung wochenlang kalt und feucht. Lass jemanden regelmäßig lüften, stell einen Entfeuchter auf und räume Kleidung und Papier aus feuchten Schränken.
Die Klimaanlage im Winter warten
Lass die Geräte vor dem Winter reinigen und prüfen. Ein Gerät, das im Sommer gut kühlt, heizt nicht automatisch gut. Frag bei der Wartung ausdrücklich nach der Heizleistung.
Mieter oder Eigentümer
Als Mieter kannst du an der Wohnung wenig ändern, aber viel fragen: Wer bezahlt die Wartung der Klimaanlage, wer ersetzt ein defektes Gerät, wer kommt, wenn der Boiler streikt? Halte das im Mietvertrag fest. Als Eigentümer lohnt es sich, vor dem ersten Winter in dichte Fenster und gute Geräte zu investieren — das spart jedes Jahr Geld und macht das Haus auch im Wiederverkauf attraktiver. Und egal ob Mieter oder Eigentümer: Heb die Stromrechnungen des ersten Jahres auf. Sie zeigen dir, wo das Geld im Winter hingeht und was sich im nächsten Jahr verbessern lässt.
Unser Rat
Zieh im Frühling ein, aber such die Wohnung so aus, als wäre Januar. Die wichtigsten Fragen: Womit wird geheizt, wie sind die Fenster, wie feucht sind die Wände? Und verbring deinen ersten Winter zur Miete — dann weißt du, wie sich der Norden anfühlt, wenn es regnet.