Steuern und Finanzen
Deutsche Rente in Malta: 15 Prozent oder Neubrandenburg
Die deutsche gesetzliche Rente bleibt trotz Maltas 15-Prozent-Programmen in Deutschland steuerpflichtig. Ab 2027 steigt die Mindeststeuer auf 35.000 Euro, für Rentner auf 15.000 — wer die alten Bedingungen will, muss bis Ende 2026 beantragen.
Malta ist bekannt für seine Steuerprogramme mit 15 Prozent auf Auslandseinkünfte. Für deine deutsche gesetzliche Rente hilft das aber nicht: Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen wird sie in Deutschland besteuert. Und zum 1. Januar 2027 werden die Programme grundlegend verschärft — wer sie noch nutzen will, hat nur bis Ende 2026 Zeit.
Wann du in Malta steuerpflichtig wirst
Steuerlich ansässig bist du in Malta, wenn du dich dort überwiegend aufhältst, in der Regel mehr als 183 Tage im Jahr. Ansässige ohne maltesische Herkunft werden nach dem Grundsatz der Überweisung besteuert: Einkünfte aus dem Ausland versteuerst du in Malta nur, soweit du sie nach Malta überweist. Kapitalgewinne aus dem Ausland bleiben auch dann steuerfrei, wenn du sie überweist.
Deine deutsche gesetzliche Rente
Hier liegt die Falle. Nach Artikel 18 Absatz 2 des Abkommens von 2001 werden Bezüge aus der gesetzlichen Sozialversicherung nur in dem Staat besteuert, der sie zahlt. Deine deutsche gesetzliche Rente bleibt also in Deutschland steuerpflichtig, zuständig ist das Finanzamt Neubrandenburg. Als beschränkt Steuerpflichtiger bekommst du den Grundfreibetrag nicht automatisch; beträgt deine deutsche Rente mindestens 90 Prozent deines Einkommens, kannst du beantragen, wie ein unbeschränkt Steuerpflichtiger behandelt zu werden.
Betriebsrenten und private Renten dagegen werden nach Absatz 1 im Wohnsitzstaat besteuert, also in Malta — und dort nur, soweit du sie nach Malta überweist. Beamtenpensionen bleiben in aller Regel in Deutschland. Für Österreicher ist die Lage anders: Nach dem österreichischen Abkommen gehen auch die staatlichen Renten nach Malta.
Die Steuerprogramme und die Frist Ende 2026
Malta bot bisher mehrere Sonderprogramme mit einem Satz von 15 Prozent auf nach Malta überwiesene Auslandseinkünfte: für EU-Bürger das Residence Programme, für Rentner das Malta Retirement Programme, dazu weitere. Die Mindeststeuer lag bei 15.000 Euro im Jahr, für Rentner bei 7.500 Euro plus 500 Euro je Angehörigem.
Zum 1. Januar 2027 wird alles zusammengefasst. Nach der Rechtsverordnung 195 von 2026 gilt dann ein einheitliches Individual Tax Programme mit vier Statusarten. Der Satz von 15 Prozent bleibt, aber die Hürden steigen deutlich: Die Mindeststeuer für EU-, EWR- und Schweizer Bürger steigt auf 35.000 Euro im Jahr, für den Rentnerstatus auf 15.000 Euro. Die Immobilie muss künftig mindestens 700.000 Euro kosten oder für mindestens 14.000 Euro im Jahr gemietet sein. Der Status gilt fünf Jahre und muss verlängert werden.
Die Übergangsregel ist entscheidend: Wer bis zum 31. Dezember 2026 einen Antrag stellt oder den Status schon hat, behält die bisherigen Bedingungen bis zum 31. Dezember 2031. Wer also über ein Programm nachdenkt, hat nur noch wenige Monate.
Für die meisten Rentner mit einer deutschen Durchschnittsrente rechnet sich keines dieser Programme: Eine Mindeststeuer von 7.500 oder gar 15.000 Euro im Jahr ist mehr, als sie in Deutschland zahlen würden. Die Programme lohnen sich für Menschen mit hohen Betriebsrenten, privaten Renten oder Kapitaleinkünften.
Ohne Programm
Auch ohne Sonderstatus kannst du in Malta leben. Dann gilt der normale Steuertarif mit Stufen bis 35 Prozent, für Ansässige ohne maltesische Herkunft weiterhin mit dem Grundsatz der Überweisung. Was du nicht nach Malta überweist, bleibt dort unversteuert. Wer im Alter überwiegend von der gesetzlichen Rente lebt, fährt damit meist besser als mit einem Programm. Rechne beides einmal durch, bevor du dich auf ein Programm einlässt — mit den Zahlen deiner eigenen Renten, nicht mit Beispielen aus dem Netz.
Die Steuererklärung in Malta
Wer in Malta steuerlich ansässig ist, gibt dort eine Steuererklärung ab, auch wenn die gesetzliche Rente in Deutschland besteuert wird. Die Erklärung läuft elektronisch über das Portal der Steuerbehörde. Die meisten Zugezogenen lassen sie von einem örtlichen Buchhalter erledigen, der Fristen und Formulare kennt — auf Englisch, was vieles erleichtert.
Was du nach Malta überweist
Der Grundsatz der Überweisung ist der Kern des maltesischen Systems: Besteuert wird, was ins Land kommt. Wer seine Betriebsrente auf ein deutsches Konto zahlen lässt und nur den Teil nach Malta überweist, den er zum Leben braucht, versteuert in Malta auch nur diesen Teil. Das verlangt aber saubere Buchführung über getrennte Konten — lass dir das von einem Berater einrichten, bevor du improvisierst.
Keine Erbschaft- und Vermögensteuer
Malta erhebt keine Erbschaft- und keine Schenkungsteuer und keine Vermögensteuer. Beim Erwerb von Immobilien im Erbfall fällt allerdings eine Stempelsteuer an. Die deutsche Erbschaftsteuer bleibt davon unberührt — mehr dazu in deiner Vorsorge-Mappe.
Kosten und Kaufkraft
Steuern sind nur ein Teil der Rechnung. Mieten in Sliema und St. Julian's gehören zu den höchsten im Mittelmeerraum, Strom und Wasser sind dagegen staatlich gestützt und günstig. Lebensmittel kosten ähnlich viel wie in Deutschland, vieles wird eingeführt und ist teurer. Wer Malta nur wegen der Steuer wählt, rechnet besser alles zusammen.
Der Wegzug aus Deutschland
Wer Anteile an einer Kapitalgesellschaft von mindestens einem Prozent hält, lässt vor dem Wegzug die Wegzugsbesteuerung nach § 6 Außensteuergesetz prüfen. Und wer in ein Land mit niedriger Besteuerung zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält, kann für bis zu zehn Jahre erweitert beschränkt steuerpflichtig bleiben. Bei Malta mit seinen Sonderregeln ist diese Frage besonders naheliegend.
Konto und Alltag
Malta gehört zum Euroraum; Überweisungen aus Deutschland kosten nichts extra. Ein maltesisches Konto eröffnest du mit Ausweis, Adressnachweis und Angaben zur Herkunft deines Geldes; die Banken prüfen gründlich, und es kann dauern. Behalte dein deutsches Konto.
Unser Rat
Glaube keiner Überschrift, die 15 Prozent auf die deutsche Rente verspricht. Lass dir vor dem Umzug schriftlich zeigen, wo welche deiner Renten besteuert wird. Und wenn ein Programm für dich in Frage kommt, kläre bis zum Herbst 2026, ob sich ein Antrag vor dem Jahreswechsel noch lohnt.