Ankommen & Alltag
Leben in Malta als Deutscher: Sprache, Alltag, Kosten
In Malta ist Englisch Amtssprache — Behörden, Ärzte und Verträge verstehst du ohne Übersetzung. Überraschend ist die Dichte: 500.000 Menschen auf einer Insel kleiner als Bremen, mit Baulärm, vollen Straßen und einer Festa an fast jedem Sommerwochenende.
Malta ist das einfachste Ankommen im ganzen Mittelmeerraum: Englisch ist Amtssprache, alles ist nah, und die Menschen sind offen. Was überrascht, ist die Dichte — 500.000 Menschen auf einer Insel, die kleiner ist als Bremen. Wer damit umgehen kann, findet hier ein leichtes, freundliches Leben.
Die ersten Tage
Das EU-Roaming gilt, deine deutsche SIM-Karte funktioniert also sofort; für einen dauerhaften Aufenthalt lohnt trotzdem eine maltesische Karte. Bezahlt wird in Euro, fast überall mit Karte. Buch früh den Termin für die eResidence-Karte und richte dir eine Liste mit deinen neuen Nummern ein.
Sprachen
Amtssprachen sind Maltesisch und Englisch. Behörden, Ärzte, Verträge, Formulare, Zeitungen — alles gibt es auf Englisch. Maltesisch ist eine semitische Sprache in lateinischer Schrift, mit vielen italienischen und englischen Wörtern, und du brauchst sie im Alltag nicht. Ein paar Wörter — „Bonġu" für Guten Morgen, „Grazzi" für Danke — freuen die Nachbarn trotzdem.
Wer hier lebt
Malta ist international geworden: Neben Maltesern leben hier viele Menschen aus Italien, Großbritannien, Osteuropa, Nordafrika, Indien und den Philippinen, dazu Beschäftigte der Glücksspiel- und Finanzbranche aus aller Welt. Die deutschsprachige Gemeinschaft ist überschaubar, aber aktiv, mit Treffen, Vereinen, einer deutschsprachigen evangelischen Gemeinde und Gruppen in sozialen Netzwerken.
Die Dichte
Das ist die Grundtatsache dieser Insel. Es wird viel gebaut, die Straßen sind voll, Lärm gehört dazu. Wer Weite sucht, findet sie im Norden, auf den Klippen von Dingli, an der Küste im Winter — und auf Gozo, das eine andere Welt ist.
Der Rhythmus
Im Sommer verlagert sich alles in die frühen Morgenstunden und die Abende. Geschäfte haben lange offen, viele auch sonntags. Behörden arbeiten meist vormittags. Im Winter wird es ruhiger, aber nicht leer — Malta lebt das ganze Jahr.
Essen und Ausgehen
Die maltesische Küche ist mediterran mit arabischen und sizilianischen Spuren: Kaninchen als Nationalgericht, Pastizzi als Gebäck aus dem Blätterteig, frischer Fisch in Marsaxlokk. Italienische Küche findest du überall, britische Spuren auch. Deutsche Produkte gibt es in größeren Supermärkten.
Kirche und Feste
Malta ist stark katholisch geprägt. Jedes Dorf hat seinen Schutzheiligen und feiert ihn mit einem Festa: Prozession, Blaskapellen, geschmückte Straßen und ein Feuerwerk, das man auf der ganzen Insel hört. Zwischen Juni und September ist fast jedes Wochenende irgendwo Festa. Wer eingeladen wird, geht hin — das ist der schnellste Weg in die Nachbarschaft. In Kirchen kleidet man sich mit bedeckten Schultern und Knien.
Die Karwoche und Weihnachten
Ostern ist das größte Fest des Jahres, mit Prozessionen in vielen Orten. Auch Weihnachten wird groß gefeiert, mit Krippen und Mitternachtsmesse. Wer das erlebt, versteht Malta besser als aus jedem Reiseführer.
Sicherheit
Malta gilt als sicheres Land mit niedriger Gewaltkriminalität. Taschendiebstahl kommt in Touristenorten vor, Einbrüche gibt es wie überall. Die größte Gefahr im Alltag ist der Verkehr.
Wasser und Sommer
Wasser ist knapp und kommt zum großen Teil aus Meerwasserentsalzung; geh sparsam damit um. Die Sommer sind heiß und schwül, und der Juli und August sind für viele der schwerste Teil des Jahres. Manche Zugezogene verbringen diese Wochen in Deutschland.
Behörden und Geduld
Behörden arbeiten meist vormittags, vieles läuft online, manches nur persönlich. Der große Vorteil: Alles ist auf Englisch, du verstehst jedes Formular und jede Auskunft. Nimm zu jedem Termin Ausweis, eResidence-Karte und Kopien mit, und rechne mit Wartezeiten.
Die Zeit und die Nähe
Malta liegt in derselben Zeitzone wie Deutschland. Telefonate mit der Familie sind also einfach, und Flüge dauern knapp drei Stunden.
Wo du Anschluss findest
Über Vereine, Sport — Schwimmen, Segeln, Wasserball, Wandern —, Kirchengemeinden, Sprachkurse, Freiwilligenarbeit und die Nachbarschaft. In den kleinen Orten wird man schnell gekannt und gegrüßt.
Was der Alltag kostet
Strom und Wasser sind gestützt und günstig, Restaurants bezahlbar, Busse billig. Teuer sind Mieten in Sliema, St. Julian's und den Küstenorten sowie vieles, was eingeführt wird. Wer in einem der ruhigeren Orte im Süden oder auf Gozo wohnt, lebt deutlich günstiger als an der beliebten Küste. Rechne deine Kosten nach einem ersten Jahr mit echten Rechnungen, nicht nach dem Urlaub.
Einkaufen
Supermärkte gibt es in allen größeren Orten, dazu kleine Läden, Bäcker und den Fischmarkt in Marsaxlokk am Sonntag. Viele Waren werden eingeführt, das Angebot ist trotzdem breit; deutsche Produkte findest du in größeren Märkten und in einigen Fachgeschäften.
Kultur und Ausflüge
Valletta mit seinen Palästen und der Kathedrale, die Tempel von Ħaġar Qim, die alte Hauptstadt Mdina, die Drei Städte am Hafen, die Blaue Grotte, Gozo mit seinen Feldern und Buchten und die winzige Insel Comino — auf dieser kleinen Fläche liegen tausende Jahre Geschichte, alles in höchstens einer Stunde erreichbar.
Nach Sizilien und weiter
Von Malta aus bist du in weniger als drei Stunden in Deutschland und mit der Fähre in zwei Stunden in Sizilien. Für viele ist das ein wichtiger Teil des Lebensgefühls: Insel ja, abgeschnitten nein.
Gozo als Gegenentwurf
Wer die Dichte Maltas nicht mag, sieht sich Gozo an: grüner, langsamer, mit Feldern, Buchten und Dörfern um große Kirchen. Dafür bestimmt die Fähre den Tagesablauf, und im Winter wird es sehr ruhig. Viele Zugezogene lieben genau das, andere fühlen sich nach einem halben Jahr abgeschnitten. Probier es mit einer Mietwohnung aus, bevor du dich entscheidest.
Der erste Sommer
Nicht der Winter, sondern der erste Hochsommer entscheidet oft, ob jemand bleibt: Hitze, Feuchtigkeit, volle Strände, Baulärm. Wer ihn mit einer kühlen Wohnung, frühen Morgenstunden im Meer und einem Plan für die heißesten Wochen verbringt, kommt gut durch.
Unser Rat
Nutze den großen Vorteil — du verstehst alles und wirst verstanden. Geh auf die erste Festa, zu der du eingeladen wirst. Und gib dir ein Jahr mit allen Jahreszeiten, bevor du über Malta urteilst.